Grippeschutzimpfung

Grippeimpfung eigentlich einfach, aber viele Fragen im Detail

Leider schaffen es Politik & Krankenkassen, uns Patienten und Ärzten das Leben schwer zu machen. Beispiel Grippeimpfung: Da wir momentan von fast jeder Patientin / fast jedem Patienten auf die Grippeschutzimpfung angesprochen werden, habe ich Ihnen hier die wichtigsten Fragen zusammengefasst:

Warum nicht direkt impfen, sobald der Impfstoff lieferbar ist?
Einige Ärzte starten schon im September mit der Impfung. Der Impfschutz ist aber nur ca. 4 Monate nach der Impfung zuverlässig gegeben. Wenn also im September geimpft wurde und die Influenzawelle erst Ende Januar kommt, ist der Impfschutz schon nicht mehr sicher gegeben. Dann war die Impfung vergebens.

Wie wird die Grippewelle?
Das ist immer eine gute Frage! Ich rechne aus fünf Gründen mit einer späten und wenig heftigen Influenzasaison:
1.: Als der Mund-Nasen-Schutz verpflichtend wurde, hörten sofort die Influenzafälle im Frühjahr auf. Bleibt der Mund-Nasen-Schutz im Gebrauch, wird es aus meiner Sicht deutlich weniger Influenzafälle geben als in anderen Jahren.
2.: Social-distancing: Damit halten wir nicht nur Corona, sondern auch die Grippe auf Abstand.
3.: Weniger Reisen: Wenn weiterhin weniger gereist wird, verbreitet sich auch die Influenza nicht so schnell wie sonst.
4.: Viel Sonne im Lockdown = viel Vitamin D = guter Schutz auch gegen Grippe. Hierzu habe ich einen Beitrag über die Schutzwirkung von Vitamin D gegen Corona geschrieben. Bei Interesse finden Sie diesen hier. In der Praxis messen wir aktuell noch sehr viele erfreulich gute Vitamin-D-Werte. Erst wenn diese im Winter abfallen, wird der Körper empfänglicher für Infektionen. Übrigens: Mit Vitamin-D-Gaben kann man einen guten Vitamin-D-Spiegel aufrechterhalten.

Grippeschutzimpfung? …oder nicht?
Wieder eine gute Frage.  Natürlich könnte die Influenzawelle diese Saison aus den genannten Gründen „ausfallen“. Dann wäre die Impfung rückblickend überflüssig gewesen. Andererseits ist es so, dass sich die Symptome einer Influenza und einer CoViD-19-Erkrankung nicht unterscheiden lassen. Bedenken Sie: Eine „echte“ Influenza ist eben „kein Schupfen“, sondern eine meist schwerwiegende Erkrankung, die auch bei jungen Menschen einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen kann. Wenn in CoViD-Zeiten jemand mit solchen Beschwerden ins Krankenhaus kommt, landet er erst mal auf der Isolierstation. Und da möchte ehrlicherweise niemand hin. Kurz gesagt: Ich schnalle mich auch im Auto immer an und halte die Influenzschutzimpfung für eine Art „medizinischen Sicherheitsgurt“.

Wer wird geimpft? Und wie?
Wir Deutschen können Bürokratie! – Siehe Impfungen: Es gibt für die gleiche Impfung mehrere Wege, wie sie korrekt bürokratisch einzuordnen ist. Zu welcher Gruppe gehören Sie?
1.: „Standardimpfung“: Alle Menschen ab 60 aufwärts erhalten auf Wunsch die Influenzaschutzimpfung als sogenannte Standardimpfung auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen.
2.: „Indikationsimpfung“: Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen vier Bevölkerungsgruppen die Impfung als sogenannte „Indikationsimpfung“. Das sind:
+ alle Schwangeren ab dem 2. Drittel der Schwangerschaft (bei einer chronischen Erkrankung auch im ersten Drittel)
+ Kinder, Jugendlichen und Erwachsene mit einer chronischen Erkrankung
+ Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und
+ Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von Ihnen betreute Risikogruppen gefährden können.
3.: „Berufliche Indikation“: Personen mit erhöhter Gefährdung, zum Beispiel medizinisches Personal, Beschäftigte in Einrichtungen mit Publikumsverkehr, in der Betreuung von Risikogruppen und die Kassen haben ein Herz für „Menschen mit direktem Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln“, auch diese können die Impfung als Kassenleistung bekommen. Wenn dies bei Ihnen vorliegt, müssen wir das in der Krankenakte festhalten, damit Sie die Impfung als Kassenleistung erhalten.
4.: „Satzungsleistung“: Einige Krankenkassen ermöglichen ihren Versicherten die Impfung auch, wenn sie nicht zu den oben genannten Gruppen gehören. Das ändert sich (natürlich) auch jedes Jahr. In diesem Winter sind das:
AOK Rheinland / Hamburg, Barmer, Bergische KK, BIG direkt gesund, BKK24, BKK Euregio, KKH, DAK, mhplus-bkk, pronova BKK, Siemens BKK, Techniker, Viaktiv KK und actimonda KK.

Muss ich mich zur Impfung anmelden?
Da jeder der beschriebenen Wege einen eigenen bürokratischen Ablauf hat (Nein, nicht unsere Idee und nein, aus unserer Sicht nicht sinnvoll!), helfen Sie uns, wenn Sie im Vorfeld schon schauen, in welche Gruppe Sie gehören und uns das mitteilen. Das ist auch für Sie wichtig, da sich danach richtet, wie Sie den Impfstoff bekommen.

Wie komme ich an Influenzaimpfstoff?
Auch da bekommen wir das Leben unnötig schwer gemacht: Es gibt für die verschiedenen Gruppen verschiedene Wege:
1.: Gesetzlich Versicherte, die die Impfung als „Standardimpfung“, „Indikationsimpfung“ oder als „berufliche Indikation“ bekommen, brauchen sich um nichts zu kümmern. Sie kommen mit der Krankenversicherungskarte in die Praxis und der Impfstoff wurde bereits besorgt.
2.: Patienten, die eine „Satzungsimpfung“ erhalten, bekommen ein Kassenrezept für den Impfstoff und besorgen sich diesen bitte in der Apotheke. Wenn wir das Rezept für Sie ausstellen, besprechen wir direkt, wann Sie geimpft werden können.
3.: Privatpatienten erhalten ein „Privatrezept“. Ob Ihre Kasse die Kosten übernimmt, müssen Sie ggf. im Vorfeld klären, da es unendlich viele verschiedene Verträge gibt. Die meisten privaten Krankenversicherungen beinhalten die Impfung. Eine Anruf bei Ihrer Versicherung schafft Ihnen Klarheit.
4.: Gesetzlich Versicherten, die keine der oben genannten Möglichkeiten haben, die Impfung als Kassenleistung zu bekommen, stellen wir auf Wunsch ein Privatrezept für den Impfstoff aus.

Wieso gibt es verschiedene Impfstoffe? Ist einer besser oder schlechter?
Da es verschiedene Firmen gibt, gibt es in dieser Saison fünf zugelassene Präparate. Alle haben einen Schutz gegen die vier wahrscheinlichsten Erreger. Wir würden nach bisherigem Kenntnisstand alle für gleich gut halten.

Wird der Impfstoff reichen?
Das wird nach Auskunft von Herrn Minister Spahn so sein. Die Nachfrage von den Patientinnen und Patienten ist dieses Jahr in unserer Praxis so groß wie noch nie.

Warum wird der Impfstoff möglicherweise knapp?
Nach den Berichten der Medien über die Pneumokokkenschutzimpfung ist es bundesweit zu einem unglaublichen Andrang auf diese Impfung gekommen. Bis heute hat sich der Mangel nicht ausgleichen lassen. Immer noch warten Patienten auf diese Impfung. Impfstoff kann man „nicht mal so eben“ herstellen. Die Produktion hat einen langen Vorlauf. Die Politik schreibt immer wieder, dass es reichen wird.

Warum wird nicht einfach mehr Impfstoff bestellt?
Jedes Jahr müssen alle Ärzte im März für die gesetzlich Versicherten Patienten den Bedarf an Impfstoff für den Herbst voraussagen und bestellen. Das ist naturgemäß schwer. Das Problem: Wird der Impfstoff nicht genutzt, wird er dem Arzt in Rechnung gestellt. Daher gehen viele Praxen die Bestellung vorsichtig an.
Da ich im März schon in Sorge war, ob Corona im Herbst weg ist, haben wir 100 Impfdosen mehr bestellt als sonst und hoffen, dass das reicht.

Warum ist das alles so kompliziert?
Das habe ich mich auch schon oft gefragt und keine logische Begründung gefunden.

Warum impfen wir keine „fremden“ Patienten?
Aus den oben genannten Gründen ist es schon schwierig genug, für unsere Patienten eine gute Versorgung mit Grippeimpfstoff hin zu bekommen. Außerdem können wir in der Pandemie aus Infektionsschutzgründen nur eine begrenzte Zahl Patienten gleichzeitig in der Praxis versorgen.
Und: Wir nehmen uns Zeit für unsere Patienten und können daher aktuell keine neuen Patienten zusätzlich versorgen.  

Wie können wir Patienten es uns und der Praxis leichter machen?
Danke für die Frage: Da gibt es echt ein paar Punkte, die für Sie leicht sind und uns echt helfen:
+ Sagen sie uns direkt, zu welcher Gruppe Sie gehören, das macht es für alle leichter.
+ Bringen Sie zur Impfung Ihre Versichertenkarte und Ihren Impfausweis mit.
+ Klären Sie mit uns, wann wir Sie impfen können: Zum Schutz für Sie und die anderen Menschen in der Praxis können immer nur eine begrenzte Zahl Menschen in die Praxis gelassen werden.
+ Unser Team leistet seit März schier Übermenschliches, um Sie trotz der Pandemie optimal zu versorgen. Masken machen weder Ihnen noch uns Freude. Wir tragen sie täglich ununterbrochen. Viele Patienten sind in Sorge und Not, bei vielen ist „die Lunte kurz“. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Gesundheit und nehmen Sie sich vor, zu unseren Mitarbeiterinnen freundlich zu sein. Schmeißen Sie im Zweifel mal 50 Cent mehr in die Parkuhr und planen Sie etwas Zeit für Ihre Gesundheit ein.
Viele Patienten haben mich gefragt, was Sie uns mal Gutes tun können: Ein nettes Wort oder ein Lächeln tut uns gut. Auch hinter Ihrer Maske, wir sehen es an den Augen…

Auch wir arbeiten echt am Limit: Gestern habe ich nach der Arbeit in der Praxis noch 198 Patienten im Testcenter versorgt. Wir brauchen Ihre Unterstützung und Freundlichkeit in den nächsten Wochen und Monaten sehr!

 

Nachtrag 17.10.2020: Die DAK ist der Vereinbarung der Influenzaschutzimpfung als Satzungsleistung beigetreten. Dagegen hat sich die BIG direkt entgegen früherer Informationen dieses Jahr nicht der Vereinbarung angeschlossen, so dass deren Versicherte nicht im Rahmen der Satzungsleistung geimpft werden können.

 

Ihr
Dr. Pukies

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Meditation gegen Corona-Angst
Frau Dr. Schöfmann hat für Sie eine etwa 20minütige Meditation bei / gegen Corona-Angst erstellt. Wir hoffen, Ihnen mit der Meditation diese schwere Zeit etwas zu erleichtern.
Meditation.mp3
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© Dr. med. Guido Pukies