Long Covid - was nun, was tun?

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient, 

 

Corona ist zwar für die meisten Menschen Dank Impfung keine lebensgefährliche Erkrankung mehr, leider jedoch für viele Betroffene eine lebensverändernde Krankheit. Häufig hören wir in der Sprechstunde von Patienten mit Covid „das habe ich unterschätzt“, „das habe ich mir weniger heftig vorgestellt“ oder ähnliches. 

Die gute Nachricht: Viele Patienten zeigen einen zwar langwierigen, jedoch guten Verlauf. Das kennen wir auch von anderen Viruserkrankungen, wie zum Beispiel dem Eppstein-Barr-Virus (EBV). Weil so viele Menschen betroffen sind, bieten wir für unsere Patienten eine spezielle Sprechstunde an. 

 

Wir sind keine Covid-Ambulanz.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir nur unsere eigenen Patienten behandeln können. 

Unser Praxisteam hat klare Anweisungen diesbezüglich. Mit diesen Informationen versuchen wir, Ihnen einen guten Überblick über Ihre Situation zu geben. 

 

Vielleicht kann man die Situation wie folgt zusammenfassen: 

Viele Patienten überstehen Covid wie einen grippalen Infekt in wenigen Tagen bis Wochen ohne Folgeprobleme. Besonders Geimpfte scheinen sich wenig Sorgen machen zu müssen. 

Treten besonders intensive, ungewöhnlich anhaltende oder auffällige Beschwerden auf, sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Als Ihre Hausarztpraxis sind wir gerne Ihre erste Anlaufstelle.  Wenn die Beschwerden es erfordern, überweisen wir Sie natürlich zu den entsprechenden Kolleginnen und Kollegen. Dies können zum Beispiel bei anhaltenden Geruchsstörungen die HNO-Ärzte sein, die Lungenfachärzte bei Atemwegsproblemen, bei Herzbeschwerden die Kardiologen oder zum Beispiel bei anhaltendem Schwindel die Neurologen. Auch die psychosomatische Dimension ist nicht zu unterschätzen: Die letzten Jahre sind für alle durch viele Einschränkungen und viel zu viele schlechte Nachrichten sehr schwer gewesen. Wenn dazu dann noch gesundheitliche Einschränkungen kommen, ist es irgendwann für jede(n) zu viel!

Aus unserer Sicht trägt auch die Vermittlung der Politik und Medien zu dem Missverständnis bei, dass mit den Kontaktbeschränkungen nach fünf Tagen „doch eigentlich alles vorbei sein muss“. Oft erleben wir auch eine Enttäuschung, trotz Impfung erkrankt zu sein. Auch das ist verständlich, jedoch sehen wir bei Geimpften keine gefährlichen Verläufe, die stationäre Behandlungen erforderlich machen würden. Wie auch immer: Vielen Betroffenen geht „seelisch die Puste aus“. Auch hier versuchen wir mit unserem „seelischen Erste-Hilfe-Kasten“ psychosomatisch zu helfen. Bis es Ihnen wieder besser geht, oder die Zeit bis zu einer ergänzenden psychosomatischen / psychotherapeutischen Behandlung überbrückt ist. 

 

Wir lernen jeden Tag über Covid dazu. Als einzelne Ärzte und als wissenschaftliche Gemeinschaft weltweit. Noch nie in unserer ärztlichen Karriere gab es eine Krankheit, an der so viel, so intensiv und über alle Grenzen hinweg geforscht wurde. Das gibt uns Mut und Zuversicht, die wir gerne mit Ihnen teilen möchten! Auch wenn es noch keine konkrete „Covid-Pille“ gibt, verstehen wir zunehmend, was bei Covid im Körper abläuft und dadurch ergeben sich Therapieansätze. 

 

Sie sehen an diesen Informationen, dass Sie und Ihre Genesung uns sehr wichtig sind. Wir suchen in allen Bereichen der Medizin nach den für Sie besten Möglichkeiten und versuchen gleichzeitig Sie vor einer Übertherapie zu schützen. – Dazu später mehr. 

 

Was ist noch normal, ab wann ist es „Long Covid“? 

Der Begriff „Long Covid“ beschreibt Beschwerden, die mehr als vier Wochen nach Ansteckung mit dem Coronavirus fortbestehen, sich verschlechtern oder neu auftreten. – Gerade die erneuten Verschlechterungen bereiten vielen Patienten Sorgen, sind jedoch häufig und eher lästig als besorgniserregend. 

 


„Post Covid“
Beschwerden, die auch drei Monate nach Infektion noch bestehen und mindestens zwei Monate lang anhalten oder wiederkehren, werden als „Post-Covid-Syndrom“ bezeichnet.

Wir halten das für ein bisschen akademisch, weil es in der Behandlung keinen Unterschied macht. 

 

Der Einfachheit halber sprechen wir an dieser Stelle daher immer von „Long-Covid“, unabhängig von der Erkrankungsdauer.

 

„Long Covid“ ist kein einheitliches Krankheitsbild. 

Bei den meisten Betroffenen prägen die Einschränkungen der Leistungsfähigkeit das Krankheitsbild und den Alltag. Oft gerade bei Menschen, die vor der Infektion besonders „fit“ waren. Die Einschränkung der Belastbarkeit nennt man auch Fatigue. Und es ist weit mehr als nur eine Müdigkeit, die auch viele Betroffene berichten. Auf den ersten Blick nicht zur Müdigkeit und zur Erschöpfung passend sind häufig massive Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („brain fog“). Doch es ist nachvollziehbar, dass dies alles zusammenhängt.

Länger anhaltende Störungen des Geschmacks- und Geruchssinns sind im Verlauf der Pandemie etwas rückläufig. Ein „Riechtraining“ kann gute Ergebnisse zeigen. 

Muskelschwäche und Muskelschmerzen treten häufig auf und beeinträchtigen der Alltag und die berufliche Wiedereingliederung häufig. 

Herzbeschwerden und Kurzatmigkeit werden oft berichtet. Abklärungen beim Hausarzt, dem Lungenfacharzt oder Kardiologen erbringen in aller Regel Normalbefunde, was die Betroffenen nicht immer wirklich beruhigt. Dadurch fühlen sich viele Betroffene im Gegenteil sogar „in die Psycho-Ecke“ gestellt. Natürlich macht eine solche heftige Erkrankung auch psychische Probleme. Immer und bei jedem. Das Ausmaß entscheidet darüber, ob eine Unterstützung sinnvoll oder sogar notwendig erscheint.  Die Sorge vor anhaltenden Beschwerden kann zu einer vermehrten Ängstlichkeit und sogar zu depressiven Symptomen führen. Auch hierüber offen zu sprechen ist wichtig, um die individuell beste Behandlungsstrategie zu finden. 

 

Weil bisher keine medikamentöse „Long-Covid-Therapie“ existiert, lohnt es sich aus unserer Sicht, in die Patientenleitlinie Long-Covid zu schauen. Diese haben wir für Sie hier verlinkt:

 

Viele der empfohlenen Maßnahmen können Sie selbst starten.

Die Behandlung von Patienten mit Long Covid ist durch das häufig hartnäckige Erschöpfungssyndrom kompliziert. Besonders die Hinweise in der Leitlinie zu einem guten Belastungsmanagement finden wir wichtig, weil viele Betroffene meinen, Sie müssten Long-Covid „wegtrainieren“. – Dass gerade das keine gute Idee ist, sondern oft sogar schadet, wird in der Leitlinie gut erklärt. 

Aus unserer Sicht und mit unserer Erfahrung macht ein Blick auf Vitamine und Mikronährstoffe Sinn. 

 

 

Vitamin D 

Bereits zu Pandemiebeginn, als es praktisch noch keine Daten zu Covid gab, haben wir aus den Studiendaten zu SARS1 beispielsweise die Bedeutung eines ausreichenden Vitamin D-Spiegels zur Prophylaxe schwerer Verläufe gesehen. Auch mit der ergänzenden Therapie von Vitaminen haben wir gute Erfahrungen in der Pandemie bei zahlreichen Patienten gemacht, wie auch bei anderen Virusinfektionen. 

Uns ist bewusst, dass dies mitunter kritisch gesehen wird. Meist von Praxen, die selber selten oder nie solche Werte messen. Vitamin- und Mikronährstoffmangelzustände werden leider in vielen Praxen immer noch ignoriert, bagatellisiert oder belächelt. 

Wie lebenswichtig zum Beispiel Vitamin D ist, sehen Sie daran, dass das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg darauf hingewiesen hat, dass durch die konsequente Behebung von Vitamin D-Mangelzuständen in Deutschland jährlich 30.000 (!) Krebstote vermeidbar wären. Das wird weiterhin größtenteils ignoriert:

Die Vitamin D-Behandlung verbesserte die Müdigkeit bei ansonsten gesunden Personen mit Vitamin D-Mangel deutlich. Dies zeigt eine erste gute gemachte (sogenannte doppelblinde, placebokontrollierte) klinische Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit von Vitamin D3 bei der Behandlung von Müdigkeit bei ansonsten gesunden Personen mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln im Blut. 

Vitamin D reguliert das Immunsystem. Es ist eine Wirksamkeit gegen verschiedene Infektionen der oberen Atemwege nachgewiesen. Vitamin D kann außerdem überschießende Reaktionen des Immunsystems hemmen und den Heilungsprozess, insbesondere im Lungengewebe, beschleunigen.

 

 

Vitamin A 

Ein Vitamin A-Mangel hat unter anderem negative Auswirkungen auf unser Immunsystem, weil Vitamin A an der Regulation unseres Immunschutzes mitwirkt. Es verbessert die Immunabwehr der Schleimhäute. Bei einem Vitamin A-Mangel treten unter anderem Infektionen der Atemwege gehäuft auf. Allgemein besteht ein erhöhtes Risiko, an viralen Infektionen zu erkranken und einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. 

Besonders in der kalten Jahreszeit, bei erhöhtem persönlichen Risiko und im Rahmen einer Long-Covid-Erkrankung kann eine Vitamin A-Gabe sinnvoll sein. 

 

 

Vitamin C 

Das Vitamin C bei Infekten eine wichtige Rolle spielt, ist eigentlich bekannt, wird aber in seiner Bedeutung weiterhin oft unterschätzt. Bei Vitamin C-Mangel denken viele an Seefahrer und Skorbut im 17. Jahrhundert und meinen, dass es in unserer Zeit keinen Vitamin C-Mangel mehr gibt. Dementsprechend wird der Wert in vielen Praxen erst gar nicht bestimmt. Doch häufig kommt erst im Labor heraus, wie schlecht die Spiegel sind. Stress, Infekte (und besonders die Kombination aus beidem!) „fressen“ Vitamin C geradezu. Während andere Wirbeltiere Vitamin C einfach selber in ihrem Körper herstellen, ist der Mensch auf die Zufuhr von außen angewiesen. Und die natürliche Aufnahmekapazität ist sehr begrenzt bei etwa 0,4 Gramm pro Tag. Es funktioniert also oft trotz guter Ernährung und sogar ergänzender Zufuhr nicht, den erhöhten Bedarf an Vitamin C zu decken. Auf die Einnahme von Vitamin C ist dadurch nur begrenzt effektiv. Daher kann eine Infusionsbehandlung sinnvoll sein.

Die Einnahme der Aminosäure L-Arginin in Kombination mit Vitamin C zeigt bei Long Covid positive Auswirkungen. So werden die typischen Symptome abgeschwächt und die Wahrnehmung der Anstrengung wird verbessert. Unterstützende Infusionen mit Vitamin C bei einer akuten Covid-Erkrankung kann das Risiko schwerer Verläufe und auch die Entwicklung von Long Covid reduzieren. Auch bei anderen Virusinfektionen und Autoimmunerkrankungen, die häufig mit Müdigkeit, Gedächtnisstörungen, Schmerzen und Depressionen einhergehen (ähnlich wie bei Long Covid), ist bekannt, dass Infusionen mit hochdosiertem Vitamin C diese Symptome deutlich lindern. Dies gilt bei Vitamin C in besonderem Maße für die Gabe hoher Dosen in Form von Infusionen.

Für Erschöpfungszustände ist eine Kombination aus 7,5 Gramm Vitamin C als Infusion mit 50 ml Natriumbicarbonat und einer Ampulle Zink in 200 ml 0,9% Natriumchloridinfusionslösung 2-3 mal wöchentlich über 4-6 Wochen (je nach klinischem Verlauf) sinnvoll.

Bitte beachten Sie, dass diese Infusionen – auch bei nachgewiesenem Mangel – nicht von gesetzlichen Krankenversicherungen und in der Regel auch nicht von privaten Versicherungen erstattet werden. Klären Sie dies ggf. vorab. 

 

Wir sehen dieses Thema so: Wenn klinisch Hinweise auf einen Mangel bestehen, lohnt es sich, diesen im Labor messen zu lassen. Wenn sich ein Mangel bestätigt, ist gemeinsam zu überlegen, wie er zu beheben ist. Klingt logisch, ist es auch, wird aber meist nicht so gemacht. Erstaunlicherweise sind die Praxen, die nie messen oder substituieren oft felsenfest überzeugt, dass es solche Mangelzustände nicht gibt. Eine Bestimmung der Werte würde oft helfen,...

 

Die Behandlung von Patienten mit Long Covid ist durch das häufig hartnäckige Erschöpfungssyndrom geprägt und auch kompliziert. 

 

Aus den vorliegenden Publikationen und unseren Erfahrungen kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass für die Betroffenen die Normalisierung ihrer Mikronährstoffspiegel eine ganz wichtige Chance zur Verbesserung der Situation darstellt. Wenn bereits vor der Erkrankung Defizite bestanden, werden diese durch die Infektion oft massiv verschlimmert. Diese Patienten profitieren entsprechend von einem Ausgleich der Defizite. Hier ist oft die ganze Bandbreite der orthomolekularen Medizin gefragt. 

In den Sprechstunden bestätigt sich immer wieder: Im Verlauf besser schneiden häufig die Patienten ab, die bereits vorher schon Nahrungsergänzungsmittel eingenommen haben. 

 

 

Melatonin
Das Hormon hat an vielen Stellen im Körper eine wichtige Funktion, wird meist jedoch nur als das „natürliche Schlafhormon“ wahrgenommen. Melatonin ist momentan zu Recht überall präsent und auch für uns ein wichtiger Bestandteil unserer Therapie. Eine Bestimmung ist aufwändig und aus unserer Sicht entbehrlich. Denn auch bei normalem Spiegel und normalem Schlaf macht Melatonin bei Erwachsenen in der Präventionsmedizin Sinn.

 

Spannend wird ein Blick auf die im Tagesverlauf unterschiedlich intensive Funktion von Gerinnungsfaktoren. Melatonin reguliert das sogenannte Zytokinsystem und die Gerinnungskaskade bei Infektionen, wie sie beispielsweise durch Coronaviren verursacht werden. Eine Studie überprüfte die Mechanismen und vorteilhaften Wirkungen von Melatonin gegen die durch eine SARS-CoV-2-Infektion induzierten Gerinnungsstörungen. Die rechtzeitige Anwendung von Melatonin als wichtige therapeutische Ergänzung während einer akuten Infektion und der Genesung kann die Virusinfektion, -vermehrung und das Verbleiben der Viren im Körper hemmen. Dadurch werden die Chancen für die Genesung verbessert und die Veränderung von Genen im Zusammenhang mit Umgehung und Unterdrückung des Immunsystems verhindert. Eine zentrale Botschaft der Studien lautet: Veränderungen des Schlafes, des täglichen Zyklusmusters und der psychischen Gesundheit scheinen für mindestens vier Monate nach der akuten Phase von COVID-19 üblich zu sein, insbesondere bei Patienten, mit schwereren Verläufen.

 

 

5-HTP 
5-HTP ist -wie Melatonin- in der Bedeutung für den Hirnstoffwechsel erstaunlicherweise trotz guter Forschungslage immer noch unterschätzt. Bei Tryptophan handelt es sich um eine natürliche Aminosäure, die in der Nahrung eigentlich ausreichend vorkommt. Kurz gesagt kann auf dem Weg von der Nahrung bis durch die sogenannte „Blut-Hirn-Schranke“ ins Gehirn eine Menge schief gehen, wodurch ein Mangel dieses für den Melatonin- und Serotonin-Stoffwechsel so wichtigen Baustoffs häufig ist. Die Bedeutung des Mikrobioms und der Infektionsfolgen von Covid im Darm würden den Rahmen sprengen.

Die Auswirkungen auf die seelische Situation sind in der Regel rasch positiv. – Vorsicht: 5-HTP darf NICHT mit Antidepressiva kombiniert werden. Denn wenn diese die Wiederaufnahme von Serotonin im Gehirn hemmen, der Körper durch 5-HTP nun jedoch plötzlich wieder genug Serotonin herstellen kann, kann es zu Problemen kommen. Daher: entweder 5-HTP ODER Antidepressiva. – Weil viele Long-Covid-Patienten in anderen Praxen Antidepressiva empfohlen bekommen, ist dies gar nicht deutlich genug zu betonen.

Erfahrungsgemäß kann es zu Beginn der Gabe von 5-HTP zu Kopfschmerzen kommen. Dies ist ein gutes Zeichen, weil die Kopfschmerzen darauf hinweisen, dass die Produktion der Neurotransmitter „wieder in Gang kommt“. Gerade wer nach der Einnahme von 5-HTP Kopfschmerzen bekommt, sollte es unbedingt weiter einnehmen. In der Regel sind die Kopfschmerzen spätestens am dritten Tag weg und die positiven Effekte dann deutlich zu spüren. 

 

Omega 3

Ja, wir sind Omega 3-Fans. Wenn man dies misst, findet man sehr häufig auch bei Patienten, die sich gut ernähren, schlechte Spiegel. Und wenn diese mit einem guten Präparat ausgeglichen werden, geht es den Menschen oft deutlich besser. Omega 3 ist ein Sammelbegriff für die am stärksten antientzündlich wirkenden natürlichen Stoffe. Und genau die können Patienten mit Long-Covid gut gebrauchen. Darüber hinaus beschleunigen Omega-3-Mehrfach-ungesättigte-Fettsäuren und Ihre Stoffwechselprodukte den Prozess der Reinigung chronischer Entzündungen und verbessern die Wiederherstellung der biochemischen Gleichgewichte in den Geweben und bieten somit eine vielversprechende therapeutische Strategie für Long-Covid.

 

Wir bevorzugen (persönlich und für unsere Patienten) Präparate aus Algen, je nach Spiegel anfangs mit einer höheren Dosierung (wichtig: zur Hauptmahlzeit!), anfangs gerne in einer Kombination aus Fisch- und Algenöl, später dann in der „normalen“ Dosierung wie vom Hersteller empfohlen, unter Beibehaltung einer guten Omega 3-haltigen Ernährung und Kontrolle der Spiegel.

 

 

Selen 

Selen ist ein sogenanntes Spurenelement und für das Immunsystem von zentraler Bedeutung. Auf der Basis zahlreicher Studien zur Entstehung von Krebserkrankungen und Infekten sowie unserer Erfahrungen erscheint es klug, einem Selenmangel vorzubeugen bzw. zu behandeln. 

Neben einer guten Ernährung (zum Beispiel Paranüsse) kann bei erniedrigten Spiegeln die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln eine höchst sinnvolle und effiziente Maßnahme zu sein, um gesundheitliche Risiken zu reduzieren, die Überlebenschancen bei Krankheiten zu verbessern und Spätfolgen von Infektionen zu vermeiden.

 

 

Zink 

Zink ist ein weiteres für unser Immunsystem sehr wichtiges Spurenelement. Zink ist einer der entzündungshemmenden und antioxidativen Mikronährstoffe, die in Lebensmitteln vorkommen und eine wichtige Rolle bei der Immunität spielen. Zink wird derzeit in klinischen Studien gegen Covid eingesetzt. Eine Messung des Zink-Spiegels und ggf. Korrektur eines Mangels sind bei gehäuften Infekten erfolgreich. Es gibt Daten, die einen Erfolg in der Kombination von  Zink und Dexamethason zeigen. 

 


Multivitamin- und Nährstoffpräparate

Eigentlich sind wir in aller Regel gegen die Einnahme solcher Präparate, weil sie von allem entweder zu viel oder (häufiger) zu wenig beinhalten. In der Long-Covid Situation ist jedoch oft eine Kombination aus erkrankungsbedingt schlechterer Ernährung und einem höheren Bedarf vorhanden und dies oft über einen längeren Zeitraum. Daher in diesem Fall die berühmte Ausnahme von der Regel, dass eine gesunde Ernährung und die symptombezogene Messung und Substitution von nachgewiesenen Mangelzuständen unser Handeln leiten sollen. 

 

 

Folgende Hypothesen werden als Ursache von Long Covid diskutiert: 

 

Viruspersistenz

Auf Deutsch: Der Körper wird die Viren (oder Teile davon) nicht los und diese aktivieren bestimmte Teile des Immunsystems und führen so zu einer chronischen Entzündung. 

 

Auslösung einer Immunantwort 

Was zunächst erwünscht und gut klingt, ist – so eine weitere Hypothese – schief gegangen: Es kommt nicht zur gewünschten Folge einer Impfung oder eine Infektion, sondern zur Bildung von sogenannten Autoantikörpern auf dem Boden einer fälschlichen Attacke des Immunsystems auf ein Autoantigen. In einer Studie aus dem Jahr 2021 etwa wurden bei 29 Patienten mit Post Covid Symptomen Autoantikörper gegen verschiedene Rezeptoren gefunden, die mit dem G-Protein gekoppelt sind. Von den Autoantikörpern gegen diese Rezeptoren ist bekannt, dass sie zu Störungen im Nervensystem und in den Gefäßen führen können.

 

Angriff auf das körpereigene Drüsensystem 

Aktuelle Studien belegen, dass Covid die Hirnanhangdrüse (verantwortlich für die Melatoninregulation und Produktion), die Nebennieren (verantwortlich für die Regulation der Stresshormone und somit zentrale Schaltstelle für Belastung), die Schilddrüse (zentraler Taktgeber für den Stoffwechsel, die Bauchspeicheldrüse und die Hoden beeinträchtigen kann. Somit sind viele Symptome der Erschöpfung erklärbar. 

Als Therapieziel rückt daher die Regulation des Immunsystems ins Zentrum des Interesses.

 

 

Long Covid und anhaltende Atembeschwerden 

Eine aktuelle Studie gibt Hinweise darauf, dass Long Covid auch durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems oder Autoimmunreaktionen ausgelöst werden könnte. So ließen sich auch noch lange nach der akuten Infektion Entzündungsreaktionen im Körper nachweisen, die die Ursache für anhaltende Beschwerden sein könnten. 

Auch Nebenwirkungen der Covid-Therapie und der Einsatz von Medikamenten bei schweren Verläufen könnte Ursache anhaltender Einschränkungen sein. 

Für anhaltende Atembeschwerden gab es bisher keine eindeutig medizinische Erklärung, da Lungenfunktionstests und andere Untersuchungen in der Regel „normale“ Befunde ergeben. Häufig sind die Betroffenen sehr bedrückt und sehen sich fälschlicherweise in einer Rechtfertigungsposition. Eine weitere Theorie sieht die Ursache in der Atemmuskulatur und nicht in der Lunge direkt. Autoimmunphänomene könnten eine Störung der Signalübertragung in den Atemmuskeln verursachen. 

Häufiger finden sich Theorien, dass ein Überleben der Erreger im Darm dort zu einer Störung im Immunsystem führt.

 

In der Summe könnte Long Covid und die damit verbundenen Beschwerden auf eine Kombination aus Entzündungen, überschießenden Entzündungen, Fehlsteuerungen des Immunsystem, fehlgeleiteten Angriffen des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen, Störungen des Gerinnungssystems und der Blutgefäße, Überleben der Viren im Körper (beziehungsweise verlangsamte Eliminierung der Viren), Störungen des Nervensystems, des Stoffwechsels und der hormonellen Regulation verstanden werden. – Von Patient zu Patient in unterschiedlichem Ausprägungsgrad.

 

Wer häufiger an Covid erkrankt, hat leider auch ein höheres Risiko, an Long Covid zu erkranken. Die gute Nachricht: Das Risiko für Long Covid nach Impfung und Infektion mit Omikron scheint geringer zu sein - und zwar um rund die Hälfte im Vergleich zu Delta. 

 

In Bezug auf SARS-CoV-2 ergab eine Studie, dass Menschen, die während der ersten Welle der Pandemie Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, die viele der oben genannten Substanzen enthielten, deutlich weniger positive PCR-Tests hatten und im Falle einer Erkrankung deutlich harmlosere Verläufe zeigten. 

 

Eine weitere Studie zeigt, dass optimale Mengen an Spurenelementen, Vitaminen und natürlichen Substanzen mit antiviraler, entzündungshemmender, gerinnungshemmender und antioxidativer Wirkung sowohl eine vorbeugende Rolle gegen Infektionen als auch ein therapeutisches Hilfsmittel gegen Infektionen spielen können und vor deren Komplikationen schützen. 

 

Zweifellos ist eine gesunde Lebensweise und damit eine gute Ernährung ein Schlüsselfaktor für die Aufrechterhaltung einer guten Gesundheit. Wichtige Nahrungsbestandteile wie Vitamin A, C, D, E, Zink, Selen und die Omega-3-Fettsäuren haben bewährte immunregulierende Wirkungen mit Vorteilen bei der Vermeidung und beim Verlauf von Infektionskrankheiten. Es wurde auch gezeigt, dass einige dieser Nährstoffe eine potenzielle Rolle bei der Behandlung von Covid spielen. Darüber hinaus wird diskutiert, wie die Gabe dieser Nährstoffe therapeutisch eingesetzt werden können, um möglicherweise die Sterblichkeit von Patienten mit Covid zu senken.

Wir sehen in Mikronährstoffe einen sinnvollen Ansatzpunkt, um die Immunität von anhaltenden Covid-Infektionen wiederherstellen zu können. 

 

Wir sehen in der Praxis daher einige zentrale Therapieansätze in der orthomolekularen Medizin und besprechen gerne gemeinsam, ob sich für Sie ein Blick auf diese Themen lohnt.

 

Wenn Sie Patientin / Patient unserer Praxis sind und Fragen zu Long Covid haben, sprechen Sie unser Praxisteam bitte an. 

 

Für externe Patienten bitte noch einmal der Hinweis: Wir können auf Grund der jetzt schon hohen Arbeitsbelastung leider keine Patienten für eine Covid-Therapie aufnehmen. Bitte setzen Sie unsere Mitarbeiterinnen nicht unter Druck, sie haben klare Anweisungen. 

 

 

Apheresetherapie?

Abschließend noch ein paar Worte zur Behandlung mittels Apherese. Diese Therapieoption wird seit Herr Hirschhausen sich selber einer Apherese unterzogen hat (übrigens ohne Indikation) sehr gehypt. – Weil einer unserer Patienten aus Verzweiflung schon Erkundigungen über diese Methode eingeholt hat, haben wir noch einmal nachrecherchiert und unsere Kontakte über das Hausärztliche Forschungspraxennetz NRW – hafo.nrw und unsere Fortbildungsmöglichkeiten als Lehrärzte genutzt. Kurz gesagt raten wir davon dringend ab, weil es keine universitäre Forschung dazu gibt und diese sehr teure Selbstzahlerleistung von keinem großen Krankenhaus / keiner großen Institution mit entsprechender Erfahrung angeboten wird und es einen massiven Eingriff in die Gerinnungssysteme des Körpers mit sich bringt. Außerdem wurden dem Patienten bereits im Vorfeld der geplanten Therapie gleichzeitig drei schwerwiegende Gerinnungshemmer rezeptiert und zur gleichzeitigen dauerhaften Einnahme empfohlen, ohne dass er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es sich um einen „off-labe-use“ handelt, also die Medikamente dazu gar nicht zugelassen sind. 

 

 

Mit freundlichen Grüßen und den besten Genesungswünschen

 

Ihr Team der Praxis Drususallee

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Karneval:

Altweiber: Am Donnerstag, dem 16.2. ist normal geöffnet.

Am Rosenmontag (20.2.) ist die Praxis geschlossen. 

Die Notfallpraxis am Johanna-Etienne-Krankenhaus ist für akute Notfälle geöffnet.

 

Osterferien: 

Am Donnerstag, dem 13.4. ist die Praxis nur vormittags geöffnet.

An den Feiertagen ist die Notfallpraxis am Johanna-Etienne-Krankenhaus ist für akute Notfälle geöffnet

Ansonsten haben wir normal geöffnet.

 

Sommerferien: 

Am Donnerstag, dem 27.7., dem 3.8. und dem 10.8. ist die Praxis nur vormittags geöffnet.


Kirmes:

Am Kirmesmontag (28.8.) ist die Praxis geschlossen. 

Die Notfallpraxis am Johanna-Etienne-Krankenhaus ist für akute Notfälle geöffnet.

 

Herbstferien:

vom 2.10.-6.10. ist die Praxis mit MFAs besetzt. Die ärztliche Vertretung übernimmt Dr. Dr. Steiner, Tel. 02131-737973.

Am Donnerstag, dem 12.10. ist die Praxis nur vormittags geöffnet.

 

Dezember:

Am Donnerstag, dem 28.12. ist die Praxis nur vormittags geöffnet.

 

Seit 17. Oktober ist die Praxis montags nachmittags wieder bis 18 Uhr geöffnet, zunächst zum Impfen. Im weiteren Verlauf werden wir eine Videosprechstunde montags nachmittags einrichten, dies erfahren Sie hier

Infos für neue Patienten

Wenn auch Sie zukünftig in unserer Praxis behandelt werden möchten, finden Sie alle wichtigen Informationen für neue Patienten hier.

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© Dr. med. Guido Pukies