Affenpocken - Kein Grund zur Panik!

Sehr geehrte Patientinnen und Patienten,

 

auch wenn täglich neue Fälle von Affenpocken gemeldet werden (aktuell ist es eine kleine Fallzahl in Deutschland!), gibt es trotzdem keinen Grund, in Panik zu verfallen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesministerium für Gesundheit gehen davon aus, dass die Gesamtbevölkerung nicht ernsthaft gefährdet ist und dass sich der Ausbruch gut eindämmen lässt. 

 

Damit Sie sich bitte keine unnötigen Sorgen machen an dieser Stelle ein paar Zahlen, Daten, Fakten zu Affenpocken:

In Deutschland sind Stand 25.5. bisher acht Fälle von Affenpocken bekannt geworden. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefährdung der Bevölkerung durch die Erkrankung derzeit als gering ein. Auch das Bundesgesundheitsministerium rechnet damit, dass sich der Ausbruch gut eindämmen lässt und hat Empfehlungen zum Umgang mit (möglicherweise) Infizierten veröffentlicht.

 

Affenpocken - droht jetzt die nächste Pandemie?

Das Affenpockenvirus gehört zur Familie der Pockenviren. Es hat seinen Namen, weil es Mitte des 20 Jahrhunderts zuerst in Affen gefunden wurde. Affen sind jedoch genau wie Menschen sogenannte „Fehlwirte“, das bedeutet, eigentlich gehört es nicht in Menschen und Affen. Zu den Hauptwirten gehören Nagetiere, wie z. B. Ratten oder auch Eichhörnchen. Das Affenpockenvirus ist zwar mit dem Pockenvirus verwandt, verursacht aber beim Menschen deutlich mildere Symptome. Die „echten“ Pocken gelten nach einem Impfprogramm der Weltgesundheitsorganisation seit 1980 als ausgerottet. Es gibt nur noch in Hochsicherheitslaboren Proben zur Forschung. 

 

Welche Symptome treten bei Affenpocken auf?

Erste Symptome sind leider nicht besonders spezifisch und können erst einmal auch von vielen anderen Infekten verursacht sein. Es besteht also kein Grund zur Panik, wenn Sie an folgenden Symptomen erkranken:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten

…wie gesagt: Diese Beschwerden sind so unspezifisch, dass viele häufigere Ursachen in Betracht kommen. Weil Affenpocken nicht wie zum Beispiel Corona über die Atemwege verbreitet werden, ist das Risiko für Sie erst einmal gering bis extrem gering. Dazu weiter unten mehr.

 

Im Krankheitsverlauf können weitere Hautsymptome dazukommen, die mehrere Stadien durchlaufen: umschriebene Farbveränderungen, dann Knötchen, Bläschen, später Eiterbläschen und dann Verkrustung und letztlich Abfallen der Krusten. 

Folgende Hautregionen sind häufiger befallen: Gesicht, Hände und Füße, Schamregion, Mundschleimhaut und die Augen.
 

Die gute Nachricht: Normalerweise heilen die Affenpocken nach 2 bis 4 Wochen von selbst aus. Häufig kann eine Superinfektion der betroffenen Hautstellen durch Bakterien auftreten. Nach dem Abheilen können Narben zurückbleiben. Sind die Augen befallen, kann es in seltenen Fällen zu einer Erblindung kommen. Es wurden selten auch Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit gesehen. Kinder und immungeschwächte Menschen sind offenbar gefährdeter.

Der Erkrankungsverlauf hängt unter anderem von der Virusversion ab. Bei der zentralafrikanischen Version wurde eine Sterberate von bis zu 11 % festgestellt, bei der westafrikanischen Variante, die sich gerade in mehreren Ländern außerhalb von Afrika ausbreitet, von 1–6 %. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren, da es bisher nur wenige gemeldete Fälle von Affenpocken beim Menschen gibt.
 

 

Wie verbreiten sich Affenpocken?

Die Übertragung von befallenen Tieren auf den Menschen ist möglich, doch selten - der Mensch ist wie beschrieben ein „Fehlwirt“. Affenpockenfälle traten bisher überwiegend in west- und zentralafrikanischen Ländern auf, das Virus ist dort heimisch („endemisch“).

Ungewöhnlich am aktuellen Ausbruch ist, dass die meisten Erkrankten keine Reiserückkehrer aus Gebieten sind, in denen das Virus heimisch ist. Es ist somit das erste Mal, dass in Europa Infektionsketten ohne bekannte Verbindung zu einer betroffenen Region bestehen.

Bisher beobachtet man pro Infektionskette bis zu 9 infizierte Personen. In Deutschland gibt es bisher wenige bestätigte Fälle. Experten rechnen jedoch mit weiteren Infizierten, da es von der Infektion bis zum Auftreten der Symptome zwischen 5 und 21 Tagen dauern kann. Eine Ansteckung kann bereits mit dem Auftreten von frühen, relativ unspezifischen Symptomen erfolgen. Erst mit dem vollständigen Abfallen der Krusten gilt ein infizierter Mensch nicht mehr als ansteckend.

Die Ansteckung geschieht nach allem, was man weiß, über Sekrete aus den Hautläsionen, die in offene Hautstellen der Kontaktperson gelangen. Ist der Mund-Rachenraum befallen, kann die Ansteckung auch über Tröpfchen zustande kommen. Da das Virus über lange Zeit (Tage bis Monate) auch auf Oberflächen überleben kann, ist eine Ansteckung über kontaminierte Oberflächen, wie zum Beispiel Bettwäsche oder Handtücher möglich.

Aktuell versuchen Wissenschaftler herauszufinden, ob das Virus mutiert sein könnte und neue Übertragungswege nutzen kann.

Betroffen sind derzeit vor allem Männer, die mit Männern Sex hatten. Bisherige Infektionen lassen sich auf Festivals der Szene in Belgien und Gran Canaria zurückführen. Ob sich Affenpocken auch durch sexuelle Aktivitäten übertragen, also durch Sperma oder Vaginalsekret, ist nicht bekannt. Man vermutet eher eine Übertragung durch enge Hautkontakte, da sich Kinder und Frauen ebenfalls infizieren können. Für die Diagnostik bei Verdachtsfällen liefert die sexuelle Orientierung im Moment jedoch wichtige Hinweise.
 

 

Was machen wir denn nun mit den Affenpocken?

 

  • Diagnostik:
    Der Nachweis des Virus erfolgt durch Proben aus nässenden Hautveränderungen, Bläschenflüssigkeit, Pustelinhalt, von Krusten oder aus Abstrichen von anderen auffälligen Hautveränderungen mittels eines PCR-Testes. Die Labore sind dazu gut aufgestellt. Ein Test mittels Blut ist nicht ohne Weiteres möglich. 
     
  • Behandlung:
    Die Behandlung besteht in erster Linie darin, die Symptome zu behandeln und eine bakterielle Superinfektion zu verhindern. In der EU ist ein antivirales Medikament (Tecovirimat) zur Behandlung zugelassen. 
     
  • Quarantäne:
    Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) empfiehlt Infizierten und ihren Kontaktpersonen, sich für 21 Tage zu isolieren. Das kann auch zu Hause geschehen, solange der medizinische Zustand das zulässt. Betroffene sollen in einem Zimmer bleiben und nach Möglichkeit ein eigenes Bad benutzen. Auf jeden Fall sollen Handtücher und Bettwäsche nicht geteilt werden!
     
  • Impfungen:
    Außerdem empfiehlt das Ministerium sogenannte „Ringimpfungen“ für die engen Kontaktpersonen von Infizierten mit dem Pocken-Impfstoff Imvanex. Er ist in der EU zugelassen, in den USA auch für Affenpocken. Der Impfstoff gehört der dritten Generation an, die weniger Nebenwirkungen verursachen als die klassischen Pocken-Impfstoffe, die vielen Patienten noch in Erinnerung sind. Da die Pocken seit 40 Jahren ausgerottet sind, erfolgte der Wirknachweis allerdings nur im Tierexperiment. Ein Kontingent von 40.000 Dosen sei verfügbar, so das Ministerium. Einen gewissen Schutz vor Ansteckung bieten auch Pockenimpfungen, die in Deutschland viele ältere Menschen bekommen haben.

 

Mein Fazit:

Eine Allgemeine Impfung der Bevölkerung wird nicht nötig sein. 

Ein Grund zur Sorge beseht aus meiner Sicht auch nicht - weder für die Normalbevölkerung, noch für die wenigen Erkrankten, die man bei uns in Europa gut behandeln kann…

 

Mit freundlichen Grüßen 

 

Ihr

Dr. Pukies

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